Katinka hockte in ihrem Badezimmer und sortierte Schmutzwäsche. Um ihren Haushalt hatte sie sich seit Wochen nicht richtig gekümmert, und allmählich wurden die sauberen Sachen im Kleiderschrank knapp. Während sie das Waschprogramm einstellte, wiederholte sie die Chiffren von Hannes? Postkarten wie ein Mantra. So geschickt, wie Hannes seine bisherigen Informationen unter die Leute gebracht hat, dachte sie, muss er dafür gesorgt haben, dass wir das Schlüsselwort finden können. Katinka saugte die Wohnung und entsorgte anschließend verdorbene Lebensmittel. Leider gab es ziemlich viel in ihrem Kühlschrank, das zu verzehren ein gesundheitliches Risiko bedeutet hätte. Sie leerte alle Papierkörbe und brachte den Müll nach unten. Schließlich wanderte sie durch die Wohnung und warf einen Blick in jenes Zimmer, das früher Toms Arbeitszimmer gewesen war. Normalerweise betrat sie es nur selten, obwohl man von hier aus einen schönen Blick auf den Synagogenplatz hatte. Aber in dem Raum wohnten Erinnerungen, staubige Gefühle und ein paar Gespenster, die Katinka nicht aufscheuchen wollte
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aus "
Spinnefeind"
von
Friederike Schmöe (Autor)